Müssen wir so leben, wie wir leben? Oder können wir bewusst unsere Situation verändern – indem wir ein anderes Grundverständnis etablieren?
Dies ist die zentrale Fragestellung in der LO 30 mit dem Schwerpunkt „Ein anderes Grundverständnis in Gesellschaft & Organisation“.
Im Editorial „Wozu am Grundverständnis basteln?“ beschäftigt sich Sonja Radatz damit, wie wir an das Thema Unternehmen ganz grundsätzlich herangehen wollen. Pille Bunnell schildert in ihrem Cover-Artikel „Auf dem Weg zu einem anderen Grundverständnis“ unterschiedliche Zugänge zur Humberto Maturanas Ontologie der Beobachtung. Einen ungewöhnlichen, aber sehr praxisrelevanten Zugang zum Business und Grundwerten im Business liefert Giuliana Sabbatini in ihrem Reflection Pieces-Artikel „Management by Mathematics – 6 Thesen für das Business“. Stuart Umpleby schildert in seinem Artikel der Rubrik Forschung unter der Lupe „Das Design intellektueller Bewegungen“, welche Voraussetzungen es braucht, um intellektuelle Bewegungen ins Leben zu rufen bzw. zu fördern. Und Fritz Simon setzt einen Kontrapunkt in seinem Special Comment „Werteorientierung als (vermeidbare) Machtstrategie“, während Julia Culen in der Rubrik Theorie und Praxis mit dem Artikel „Mit Netzwerkstrukturen das traditionelle Organisationsdenken überwinden“ eine neue, zukunftsweisende Unternehmensform vorstellt. Bernd Linder-Hofmann und Manfred Zink zeigen in ihren Lessons Learned „Mit Tempo 300 in die Sackgasse oder: Wider die Verrücktheit in Systemen“, wie wir aus einem bestehenden Grundverständnis erfolgreich aussteigen können – und Florian Fischer beschreibt in den Readers Pages mit dem Artikel „Warum alles so ist wie es ist“ die Genesis in unserem Alltag.
Abgerundet wird die LO durch Sonja Radatz’ Serie Teil 3 zum Thema „Selbstmanagement“ sowie – wie immer – die Buchrezensionen.
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COVER
Auf dem Weg zu einem anderen Grundverständnis
Pille Bunnell
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Einer der zentralen Begriffe Humberto Maturanas ist die Ontologie der Beobachtung. In diesem Artikel zeigt Pille Bunnell drei unterschiedliche Zugänge zu einer Skizze Maturanas, welche die Ontologie der Beobachtung ausgezeichnet verdeutlicht.
Daran schließt sie eine Reflexion über seine allgemeine philosophische Haltung an. Zu guter Letzt schlägt die Autorin ein neues Wort - Ontepistany - vor, das ein Bewusstsein für die Grundlagen des Verstehens bezeichnet und sich auf jene Änderungen von Bewusstsein und Einstellung beziehen soll, die der Ontologie des Beobachtens zugrunde liegen.
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READERS PAGES
Warum alles so ist, wie es ist
Florian Fischer
| Wie entstand das, was wir heute als gegeben annehmen, das, was „eben so ist, wie es ist?“ Entstand es überhaupt? Oder ließen wir es entstehen? Und können wir daraus irgendetwas für unser Verhalten morgen und übermorgen ableiten? Florian Fischer machte sich auf den Weg zur Infragestellung, warum alles so ist, wie es ist – und wir wir das möglicher Weise auch anders betrachten können.
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FORSCHUNG
UNTER DER LUPE
Mit Tempo 300 in die Sackgasse oder:Wider die Verrücktheit in Systemen
Bernd Linder-Hofmann und Manfred Zink
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Was treibt eigentlich unsere Systeme? Dieser Frage nachzugehen, ist zunächst nicht so einfach, wie es scheint. Die Autoren gehen tiefer und entdecken, dass hinter dem, was wir in dieser Zeit erleben, Methode und Systematik einer Ideologie stecken, die schon vor längerer Zeit begonnen hat, unser gesamtes Leben zu beeinflussen. Eines der zentralen konstituierenden Merkmale moderner sozialer Systeme, vor allem von wirtschaftlich orientierten Organisationen wird sichtbarer gemacht: die Dynamisierung von Bewegung in der Beschleunigung. Die Auswirkungen erleben wir als zunehmende Dynamik, Zeitdruck, Stress... Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir an den Ursachen dieser Entwicklung ansetzen. Dazu soll dieser Artikel auffordern.
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REFLECTION
PIECES Management by Mathematics – 6 Thesen für das Business
Giuliana Sabbatini
| Zugegeben: Die Frage, welche Anregungen die Theorie der Mathematik und der Informatik für unseren Beruf birgt, stellt einen reichlich gewagten Schritt dar. Und: Giuliana Sabbatini hat ihn gewagt. In ihrem Artikel betrachtet sie zentrale Ergebnisse aus dem letzten Jahrhundert, in der Logik, Mathematik, Systemtheorie und Erkenntnistheorie enger als heute miteinander verknüpft waren – und bietet Vorschläge an, wie Sie hinter diesen Thesen Anknüpfungspunkte für die Arbeit in komplexen Unternehmen und an herausfordernden Projekten finden könnten. Und wahrscheinlich werden Sie Interessantes für sich entdecken…
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SERIE TEIL 3
Selbstmanagement
Sonja Radatz
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Wer immer aktiv Selbstmanagement betreiben will, ist quasi gezwungen, die Teil der Welt-Haltung für sich zu pachten – denn Selbstmanagement kann nur stattfinden, wenn wir uns als Teil unserer Welt sehen, also für uns die Annahme treffen, wir können uns unsere Welt, uns persönlich selbst gestalten – anstatt immer davon abhängig zu sein, „was kommt“ und „was geht“.
Sonja Radatz präsentiert im Teil 3 ihrer Serie, wie die Selbstmanagement-Aufgabe aus der Perspektive des evolutionären Relationsmodell aufgefasst werden kann und stellt in ihrer Selbstmanagement-Toolbox den kompletten Instrumentenkasten für aktives Selbstmanagement vor.
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SPECIAL COMMENT
Werteorientierung als (vermeidbare) Machtstrategie
Fritz B. Simon
Werte braucht die Welt, Werte brauchen wir auch im Unternehmen! Und so sind Wertemanagement und Werteorientierung zwei Schlagworte, die zurzeit in aller Munde sind – und jeweils so verwendet werden, wie sie gerade gebraucht werden. Ist es sinnvoll, Unternehmen besondere Werte zu verpassen – oder handeln Unternehmen ohnehin von sich aus werteorientiert? Und wenn ja, welchen Werten folgt das Unternehmen? Diesen Fragen geht Fritz B. Simon in seinem Artikel nach.
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FORSCHUNG UNTER DER LUPE
Intellektuelle Bewegungen schaffen und fördern
Stuart A. Umpleby
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Intellektuelle Bewegungen haben ein klares Ziel: Soziale Systeme zu verändern. Und wenn dem so ist: Wie können wir dann ein besseres Verständnis für intellektuelle Bewegungen in unserer unmittelbaren Umgebung erlangen? Ja, wie können wir selbst intellektuelle Bewegungen gründen, die zu unserer spezifischen Kultur passen?
In seinem Artikel beschreibt Stuart A. Umpleby, wie wir eine intellektuelle Bewegung gestalten können, um die ihr zugrunde liegende Idee erfolgreich zu verbreiten. Und eine solche Bewegung sieht mit Sicherheit in den USA anders aus als in Europa.
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THEORIE & PRAXIS
Mit Netzwerkstrukturen das traditionelle Organisationsdenken überwinden
Julia Culen
In einer Zeit hoher Wettbewerbsintensität und schnellen Wandels nahezu aller relevanten Rahmenbedingungen wird ein Neudenken von Organisationsformen und -strukturen unabdingbar. Viele Unternehmen können den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr mit altbekannten Methoden und als Einzelkämpfer gerecht werden. In diesem Artikel zeigt Julia Culen auf, wie die Bildung von Netzwerkstrukturen zwischen Unternehmen ermöglicht, mit Komplexität umzugehen und die Grenzen des traditionellen Organisationsdenkens zu überwinden.
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SERVICE
Bücher-Tipps
der LO 30 - März/April
rezensiert von Sonja Radatz
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Harald Mahrer (Hrsg.)
Österreich 2050
208 Seiten
Czernin Verlag
ISBN 3-7076-0059-9
EUR 19,80 |
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Kann man sich ein Land erfinden? Natürlich nicht, werden viele Menschen sich beeilen zu antworten. Nun – wenn wir davon ausgehen, dass wir uns unsere Wirklichkeit gestalten, dann können wir auch unsere Zukunft gestalten; und zwar genau so, wie wir sie haben wollen. Nicht nur in unserem Mikrokosmos, etwa in unserer Familie oder am unmittelbaren Arbeitsplatz, sondern auch in der Gesellschaft, an der wir teilhaben und teilnehmen.
Genau dies ist den Autoren rund um Harald Mahrer gelungen: Sie skizzieren einen Staat, wie er in 45 Jahren sein könnte – und holen mit ihren „Erfindungen“ rund um Lebensphasen-Modelle, Arbeitszeitmodelle, Schulsysteme, Wirtschafts- und Sicherheitssysteme die Zukunft in die Gegenwart. Denn was heute denkbar ist, ist auch machbar.
Wir sollten vielleicht nur den Mut haben, zu erfinden; und dann aber auch den Mut haben, unsere Erfindungen zu leben und umzusetzen.
Wie das gelingt? Nun, mit Konsequenz und Zielorientierung. Vielleicht ist ja dieses Buch eine Anregung, auch für das eigene Unternehmen eine Zukunftsbeschreibung herauszugeben (nach dem Motto: Man darf doch träumen…), die schon heute umgesetzt werden kann (nach dem Motto: Warum nicht heute, wenn es doch schon fertig gedacht ist?).
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| Das Hirtenprinzip
Sieben Erfolgsrezepte guter Menschenführung
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Kevin Leman und William Pentak
Das Hirtenprinzip
Sieben Erfolgsrezepte guter Menschenführung
144 Seiten
Gütersloher Verlagshaus
ISBN 3-579-06508-4-2
EUR 14,95 (D), EUR 15,40 (A), sFr 27,30
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Auf den Punkt gebracht: Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Treue und Loyalität bei den Mitarbeitern „erzeugen“ und diese „so anleiten, dass sie sich gerne anschließen“, dann sollten Sie dringend dieses Buch lesen. Schon ein Blick auf das Cover des Buches verrät uns: Hier haben wir es mit Schafen zu tun, und nicht umsonst wurde das Buch von einem Pastor geschrieben.
Und eines ist klar: Es gibt hier jemanden der Bescheid weiß, der den Überblick hat, der die Herde zusammenhält und notfalls auch „Schafragout“ aus jenen Schafen macht, die die Weide des Nachbarn aus welchem Grund auch immer für attraktiver halten als die anderen und daher einer „schlechten Einstellung“ bezichtigt werden.
Die Frage ist aber: Haben wir es in der Führung mit „Schafen“ zu tun? Ich behaupte, nein danke – das Gegenteil ist der Fall. Vielleicht gelingt es uns, unsere Mitarbeiter auch in einem anderen Licht zu betrachten, mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren und auf diese Weise auch eine andere Beziehung zu ihnen herzustellen. Und dann finden wir über „die sieben Erfolgsrezepte“ vielleicht auch ein achtes, neuntes und zehntes, das wir als passend empfinden.
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David Bohm
Dialog
175 Seiten
Klett-Cotta Verlag
ISBN 3-608-91857-4
EUR 20, sFr 36,20 |
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David Bohm ist nicht nur der Physiker, von dem Albert Einstein sagte, er sei der einzige, der über die Quantentheorie hinaus kommen könnte. Sondern er war auch Philosoph im ursprünglichen Sinne, indem er dem Gespräch – dem Dialog – seine Tiefe und seinen Gehalt zurückgab, der ihm in unserem Zeitalter der Kommunikation und Diskussion abhanden gekommen ist.
Wie gestalten wir für gewöhnlich Meetings, Verhandlungen, Gespräche, Besprechungen? Wir sehen sie als einen Ort, in dem wir unsere Argumente vorbringen, unsere Ergebnisse und Standpunkte verteidigen und schließlich klein beigeben oder gewinnen. Im Prinzip klären wir in solchen Zusammenkünften den Status Quo der Differenz und – wenn es hoch hergeht – einigen wir uns auf Kompromisse.
David Bohm fasst Gespräche anders auf: Er fordert statt der Diskussion den Dialog, ein Horizonte öffnendes Aufeinander zugehen. Die Teilnehmer des Dialogs werden darin mit neuen Erfahrungen und Erkenntnissen belohnt.
Ein fazinierendes Buch für alle Menschen, die mit Menschen welchen Berufs oder welcher Altersgruppe auch immer zu tun haben.
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Wertschätzung
Wege zum Frieden mit der inneren und äußeren Natur
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Barbara Mettler-vom Meibom
Wertschätzung
Wege zum Frieden mit der inneren und äußeren Natur
239 Seiten
Kösel Verlag
ISBN 3-466-30710-4
EUR 17,95/ SFr 32,60 |
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Ein zweifelsohne interessantes Buch. Es wurde mit Sicherheit nicht aus einer konstruktivistischen Haltung heraus geschrieben, sondern geht von Assagioli aus, einem Schüler von Sigmund Freud, der nach dem Willen seines Lehrers die Psychoanalyse nach Italien bringen sollte.
Allein, er tat es nicht – sondern entwickelte eine grundlegende therapeutische Neuausrichtung, welche die spirituelle Dimension des Menschen berücksichtigte. Dieser Assagioli entwickelte das sogenannte Ei-Modell des menschlichen Bewusstseins bzw. der menschlichen Psyche. Und dieses Modell verwendete die Autorin, um darzustellen, welcher Weg zur Wertschätzung der eigenen Person und anderer Menschen führt.
Das Buch verlockt uns mit vielfältigen Anregungen immer wieder, auf die Wertschätzung zu fokussieren und Wertschätzung zu lernen – gegenüber sich selbst, gegenüber dem Anderen im Gespräch, aber auch in einer größeren Gruppe, etwa einem Team. Bemerkenswert.
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