LO 25 - Mai/Juni

 

Cover-Thema:
Marco Bettoni, „Die Zukunft des Wissensmanagements

 

Bernhard Pörksen, „Vom Lernen zum selbstorganisierten Lernen“

Martin Schaurhofer und Franz-Markus Peschl, „Lernen und Wissensmanagement in Empowermentprozessen“
Helmut Willke, „Systemisches Wissensmanagement – die nächsten Schritte“
Rainer Schmid, „Wie Management Development gelingt“
Franz Friczewski, „Stimmig führen“

Josef Oberneder, „Knowledge Flow Meetings (KFM®) – Die neue Logik des Lernens

Bücher-Tipps

COVER STORY

Die Zukunft des Wissensmanagements
Marco Bettoni

Wenn wir an Wissensmanagement denken, kommen uns zunächst Datenbanken und technische Applikationen in den Sinn, die darauf gerichtet sind, Wissen aus den Köpfen der Mitarbeiter zu ziehen und für das Unternehmen nutzbar zu machen. Marco Bettoni stellt diese Ansicht in seinem Artikel auf den Kopf: Er geht davon aus, dass Wissen von den Mitarbeitern gemeinschaftlich konstruiert wird. Dies erfordert ein gänzliches Umdenken im Wissensmanagement – geht es nun doch darum, die Menschen zusammenzubringen, etwa in den von ihm propagierten „Business Learning Communities“.
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FORSCHUNG UND ERGEBNISSE

REFLECTION PIECES
Vom Lernen zum selbstorganisierten Lernen – zwölf Thesen
Bernhard Pörksen

Vom Lehr-Paradigma zum Lernparadigma; vom Erzeugen von Lernen zum Ermöglichen von Lernen; und von der Ruhebank festen Wissens zur Gewissheit einer Notwendigkeit ständigen Umkonditionierens – diese und noch viel mehr Punkte, die in Bezug auf „Wissensmanagement“ und „Lernen“ in Zukunft zentrale Bedeutung erlangen werden, beschreibt Bernhard Pörksen in seinem Artikel auf knappste Art und Weise: In zwölf Thesen, die eine Wende im Lernen einleiten.
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FORSCHUNG UNTER DER LUPE
Lernen und Wissensmanagement in Empowermentprozessen
Martin Schaurhofer und Franz-Markus Peschl


Empowermentprozesse sind all jene Prozesse, die Menschen durchleben, wenn sie sich gemeinsam mit anderen zusammenschließen, um mehr Einfluss im eigenen Leben zu erhalten. Selbsthilfegruppen und Wissensgemeinschaften sind typische Beispiele dafür. Das hier vorgestellte Konzept der „wissensorientierten Empowermentbegleitung“ will individuelle und gruppenbezogene Empowermentprozesse unterstützen. Dadurch können Menschen ihre Lebenssituationen ebenso wie ihre eigenen Kompetenzen aus bisher ungewohnten Perspektiven wahrnehmen. Sie können neue Ideen für den Zusammenschluss mit anderen und für das Agieren in Öffentlichkeiten gewinnen.
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SPECIAL COMMENT
Systemisches Wissensmanagement – die nächsten Schritte
Helmut Willke


Oft genug wurde prophezeit, dass Wissensmanagement nach einigen Jahren der hohen Wogen der vollkommenen Bedeutungslosigkeit zum Opfer fallen würde. Allein, das ist nicht geschehen: Denn Wissensmanagement ist für die Sicherung des Erfolgs in der Unsicherheit von morgen unverzichtbar – in allen Unternehmen. Welche – teils neuen – Herausforderungen auf die Disziplin möglicher Weise morgen warten und wie diesen erfolgreich begegnet werden kann, beleuchtet Helmut Willke in seinem Artikel.
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THEORIE UND PRAXIS
Wie Management Development gelingt
Rainer Schmid

 

Nicht selten sind Management Development-Programme geprägt durch die Vermittlung von Tools und Rezepten. Dies führt jedoch nicht zu zufrieden stellenden Ergebnissen, wie die Praxis täglich beweist und Rainer Schmid in seinem Artikel darstellt. Seiner Ansicht nach müssen sich Unternehmen – um Management-Probleme von morgen zu verhindern – professioneller mit der Förderung und Entwicklung ihrer Führungskräfte als bereits heute auseinandersetzen und ihre Vorgehensweise im Management Development grundlegend verändern.
Der Artikel basiert auf seiner im Jahr 2004 im Rahmen des universitären Lehrganges Master of Sciene (MSc) in Organisational Development verfassten Masterthesis.
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SERIE

Stimmig führen
Franz Friczewski



„88 % der Mitarbeiter verspüren keine echte Verpflichtung ihrer Arbeit gegenüber.“ Dieses Ergebnis der deutschen Gallup-Studie 2003 ist im Grunde paradox: Schließlich gibt es nichts, was sich Organisationen heute weniger leisten könnten als Gleichgültigkeit ihrer Mitarbeiter. Um überleben zu können, müssen sie mehr denn je lernen, kundennäher, prozessorientierter, lernfähiger, kurz: vitaler / lebendiger zu werden und Selbstblockaden zu überwinden. Führung erweist sich daher erst in dem Moment als stimmig, wenn es ihr gelingt, Menschen zu inspirieren – und zwar auch und gerade jene Menschen, die sich in den Käfig einer inneren Kündigung zurückgezogen haben.
Was braucht es, um Führung in diesem Sinne stimmig zu gestalten? Wir alle haben in uns, so meint Franz Friczewski in diesem Artikel, die natürliche Anlage für Kohärenzgefühl, das heißt für einen „Kompass“, der uns anzeigt, was stimmt.
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UNTERNEHMENSPRAXIS

WERKZEUGE
Knowledge Flow Meetings (KFM®) – Die neue Logik des Lernens
Josef Oberneder

Wie kann in Organisationen sinnvoll gelernt werden? Und wie kann dieses Lernen so organisiert werden, dass sinnvolles Wissen generiert wird? Mit dem von ihm entwickelten Konzept der Knowledge Flow Meetings (KFM), die er im Zuge seines Wissensmanagementstudiums als Master These vorgelegt hat, schafft Josef Oberneder ein Instrument, das in Unternehmen einfach umgesetzt werden kann – und hohe Wirkung erzielt. (Bestellung des Einzelartikels...)

SERVICE

Bücher-Tipps der LO 25– Mai/ Juni 2005
rezensiert von Sonja Radatz

Fragekompetenz für Führungskräfte
Handbuch für wirksame Gespräche mit Mitarbeitern

Andreas Patrzek
Fragekompetenz für
Führungskräfte

363 Seiten
Rosenberger Fachverlag
ISBN 3-931085-41-4
EUR 44,80 (sfr 74)

Dies ist ein Toolbuch für Führungskräfte. Und wer bislang sich selbst eher als Antwortgeber denn als Fragesteller erlebt hat und in Zukunft mehr auf die Seite des Frage Stellens und in Frage Stellens wechseln möchte, für den ist dieses Buch mit Sicherheit ein wertvoller Begleiter. Fragetechniken für alle Gesprächssituationen von Führungskräften sind darin enthalten – für Mitarbeitergespräche, Einstellungsgespräche, Gespräche in Konflikten und zur Bearbeitung von konkreten Lösungen.
Der Autor setzt dabei exakt an jener Situation an, welche die Führungskräfte täglich erleben – oder von der wir ausgehen, dass sie sie täglich erleben müssten. Das ist einerseits sehr konsequent und zielgruppenorientiert, geht aber leider nicht auf die Frage ein, ob denn Führungskräfte diese Situationen überhaupt erleben müssen – etwa Abmahnungsgespräche oder „Coaching-Gespräche“, wie er diese beschreibt. Aber das war vermutlich auch gar nicht das Ziel des Autors und soll daher nur am Rande angemerkt werden.
Vielleicht entsteht ja bereits dann, wenn Führungskräfte aufhören zu antworten und beginnen, Fragen zu stellen, eine veränderte Situation, die neue Möglichkeiten der Führung erzeugt.

 

Wissen und Wirklichkeit
Beiträge zum Konstruktivismus

Gebhard Rusch (Hrsg.)
Wissen und Wirklichkeit
265 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-126-6
EUR 19,90

Ernst von Glasersfeld hat mit dem von ihm auf den Weg gebrachten Radikalen Konstruktivismus ein überaus wichtiges transdisziplinäres wissenschaftliches Programm zur Erklärung des Begriffs „Wirklichkeit“ auf den Weg gebracht. Ihm zu Ehren erschien nun der interdisziplinäre Band, der zu zentralen Themen des konstruktivistischen Programms Stellung nimmt: Wissenschaft und Rationalität, Kognition und Sozialität sowie Sprache und Verstehen. Mehrere Autoren kommen hier zu Wort: Etwa Fritz Simon mit seinem Artikel über das Ent-Lernen, Hans Rudi Fischer über Rationalität, Logik und Wirklichkeit oder Gebhard Rusch über Konstruktivistische Theorien des Verstehens.
Natürlich ist dieses Buch sehr allgemein gehalten und dadurch auch auf viele verschiedene Bereiche anwendbar; aber gerade im Wirtschaftskontext vermag es unser „business as usual“ hervorragend in Frage zu stellen und bezüglich unserer Handlungen, unserer Weltanschauung, unserer Haltung neue Themen aufzuwerfen.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und uns die Welt um uns herum neu definieren lässt.

 



 

Konstruktivistisches Wissensmanagement
Wie Wissensarbeiter ihre Arbeit organisieren

Stefan Meinsen
Konstruktivistisches Management
234 Seiten
Beltz Wissenschaft
Deutscher Studien-Verlag
ISBN 3-407-32044-2
EUR 29,90

Nach wie vor wird Wissensmanagement eher mit einem abstrakten Managementkonzept oder EDV-technischen Lösungen in Verbindung gebracht – und im Zentrum der Thematik stehen Datenbanken sowie die Frage, wie Wissen „verwaltet“ und „verteilt“ werden kann. Im Zentrum der konstruktivistischen Wissenstheorie hingegen steht der Mensch, und um diesen – besser, um die Zusammenführung von Menschen, um Wissen zu konstruieren – dreht sich dieses Buch, das die Arbeit von Wissensarbeitern näher beleuchtet.
Der Autor bedient sich dabei der konstruktivistischen Wissenstheorie nach Ernst von Glasersfeld und leitet daraus den Ansatz des Konstruktivistischen Wissensmanagements ab. Verantwortlichen in der internen Beratung sowie HR-Experten wird dieses Buch ein guter Begleiter sein, denn er beschreibt, wie an das Projekt Wissensmanagement aus konstruktivistischer Sicht herangegangen und wie das Konzept erfolgreich umgesetzt werden kann.

 

Einführung in das systemische Wissensmanagement

Helmut Willke
Einführung in das systemische
Wissensmanagement

120 Seiten
Carl-Auer Compact Verlag
EUR 12,95

„In der Kürze liegt die Würze.“ Unter diesem Aspekt ließe sich das sehr kompakte und kurz, aber dennoch praxisbezogen gehaltene Buch von Helmut Willke wohl am besten beschreiben. Er geht darin auf alle wesentlichen Faktoren des systemischen Wissensmanagements ein – beginnend bei den Begriffen „systemisch“, „Management“ und „Wissen“ und arbeitet sich über theoretische Leitfragen zu den praktischen Aspekten des systemischen Wissensmanagements vor.
Leicht verständlich vermittelt er, wie Kulturlösungen im Wissensmanagement den IT-Lösungen vorzuziehen sind, propagiert gut platzierte Pilotprojekte anstatt von Top-Down-Lösungen und zieht eindeutig eine langsame Stärkung der Wissensbasierung kurzfristigen Lösungen vor. Darüber hinaus werden als Instrumente der Wissensbaum, der Mikroartikel und die Wissenslandkarte vorgestellt und Ideen zu deren Einführung im Unternehmen geliefert.
Alles in allem ein knapper Begleiter für all jene, die sich am liebsten auf das Wesentliche konzentrieren.


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