LO 22 - November/Dezember

 

Cover-Thema:
David A. Schmaltz, „Projektarbeit – It´s magic!“

 
Andreas J. Harbig, „Die gezähmte Maschine“
Franz Fischer, “Systemische Selektion alternativer Projekt-Portfolien“
Daniel Meier, „Turbulenzen in Projektteams ganz einfach managen“
Franz Friczewski, „Wie Menschen und Organisationen ein Gefühl dafür bekommen, was stimmt“
Sonja Radatz, „(Projekt-)Teams zielorientiert führen“

Autorengruppe, „Erfolgreiche (Weiter-) Entwicklung von Projektteams“

Christine Amon, „Systemisches Prototyping mit Projektteams“
Sonja Radatz (Zusammenstellung), „Systemische Coaching-Ansätze, Systemisches Personal Coaching in der Praxis und systemisches Teamcoaching“
Bücher-Tipps

COVER STORY

Projektarbeit – It´s magic!
David A. Schmaltz

Wenn wir den Begriff „Projektteams“ und Projektmanagement“ hören, denken wir zuallererst an Masterpläne, Meilensteine, Projekt(teil-)ziele, Projektergebnisse, Messbarkeit und Projektsteuerung. Doch genau hier liegt die Tücke, oder, wie Heinz von Foerster es ausdrückt: Hard sciences create soft problems – and soft sciences create hard problems. Wären in die Projektarbeit keine Menschen involviert, ließe sich jeder Masterplan problemlos umsetzen. Leider – oder Gott sei Dank – ist dies aber nicht der Fall. Und so werden wir nicht umhin kommen, mit David A. Schmaltz unseren Fokus in der Projektarbeit aus systemisch-konstruktivistischer Sicht um 180° zu verschieben: Von der Arbeit am Plan zur Arbeit an dem, was sich zwischen den Beteiligten abspielt.
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FORSCHUNG UND ERGEBNISSE

Reflection Pieces
Das Ende der gezähmten Maschine
Andreas J. Harbig

Das Welt- und Menschenbild, das die Unternehmen in den letzten 150 Jahren bestimmte, lässt sich am besten mit einer „gezähmten Maschine“ beschreiben: Organisationen, Institutionen und auch geographische Räume als beherrschbare, maschinenähnliche Gebilde, in denen Menschen als Räder und Rädchen in unterschiedlichsten Rollen funktionieren müssen oder auch ausgetauscht und ersetzt werden können.
Heute geht es dem gegenüber um das Erschließen und Verstehen der Bedeutung menschlicher Beziehungsfähigkeit in einer hochkomplexen, systemisch interdependenten Weltgemeinschaft. Denn eine auch nur annähernd vergleichbar dynamische Entwicklung wie in der Technologie und der Ökonomie hat in den Bereichen der menschlichen Kommunikations-, Reflexions- und Konfliktfähigkeit nicht stattgefunden.
Welche Herausforderungen dabei auf die Organisationen zukommen und wie diese bewältigt werden können, beschreibt Andreas Harbig in seinem Artikel. (Bestellung des Einzelartikels...)

Forschung unter der Lupe
Systemische Selektion alternativer Projektportfolien
Franz Fischer

Welche Projekte im Unternehmen verdienen es, weiter verfolgt und gehalten bzw. ausgebaut zu werden? Dies ist eine Frage, bei der aus systemisch-konstruktivistischer Sicht Korrelationen zwischen Projektrisiken unterschiedlicher Projektportfolien eine zentrale Rolle spielen. Und solche Korrelationen werden natürlich subjektiv eingeschätzt. Wie bei der Einschätzung der Risken persönliche Favorisierungen hinter gemeinsam getragenen Bewertungen treten und „politische Einflussnahmen“ vermieden werden können, stellt Franz Fischer mit Hilfe seines qualitativen Modells zur Selektion optimaler Programm- und Projektportfoliokombinationen von unattraktiven Kombinationen dar. (Bestellung des Einzelartikels...)
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Theorie und Praxis
Turbulenzen in Projektteams ganz einfach managen
Daniel Meier

Projektteams sind Schmelztiegel moderner Organisationen. Sie zeigen in einer Art Mikrokosmos all jene Komplexität auf, welche Unternehmen heute zu bearbeiten haben. Die Projektteams arbeiten interdisziplinär, häufig innerhalb einer Matrixorganisation. Hoher Zeitdruck bei wenigen Personalressourcen und grosser Erfolgsdruck zeichnen Ihre Arbeit aus.
Oft sind Turbulenzen im Team nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Es gilt sie konstruktiv wertzuschätzen und die Dynamik der Wellen der Veränderung zu nutzen, um Energien für die gemeinsame Zielerreichung zu gewinnen. Ein Projektteam zu führen ist so betrachtet selten eine einfache Aufgabe; Daniel Meier bietet dafür in seinem Artikel systemisch-lösungsorientierte Werkzeuge an.

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SERIE

Wie Menschen und Organisationen ein Gefühl dafür entwickeln, was „stimmt“
Franz Friczewski

Organisationen, die ihre Kohärenz stärken wollen, müssen sich dafür interessieren, DASS und WIE die von ihnen generierten Konversationen in die Körperlichkeit und in die Emotionalität aller Beteiligten eingreifen.
Wenn sie auf Dauer gesehen nicht ihre eigenen Grundlagen unterminieren wollen, dann sollte ihr Selbstverständnis ausdrücklich und möglichst viel Raum dafür lassen, dass die Beteiligten die Stimmigkeit ihres Handelns nicht nur an abstrakten Organisations-Konzepten messen können, sondern immer auch an ihrem eigenen „Kohärenzgefühl“ als Menschen aus Fleisch und Blut.
Was aber müssen die Beteiligten tun, damit eine kohärente Organisationskultur möglich wird? Welche Verhaltens- oder Sichtweisen sind hier von ihnen gefordert? Diesen Fragen möchte Franz Friczewski in der vorliegenden neuen Serie nachgehen. (Bestellung des Einzelartikels...)

WISSENSDATENBANK

Lessons learned
(Projekt-) Teams zielorientiert führen
Sonja Radatz

Teamentwicklung – die Weiterentwicklung des eigenen (Projekt-)Teams von innen heraus – stellt eine der wichtigsten und leider allzu häufig grob vernachlässigten Aufgaben von Projektleitern bzw. Führungskräften dar. Im Gegensatz zur Führungsaufgabe steht dabei nicht die Weiterentwicklung der einzelnen Menschen im Vordergrund, sondern die Betrachtung des Teams in seiner komplexen Gesamtheit, welche sich vor allem auf der Beziehungsebene manifestiert. Teamentwicklung beschäftigt sich mit dem, was zwischen den Menschen besteht – mit den Zielen, Spielregeln und Aufgaben des Teams und den Rollen und Beiträgen der einzelnen Mitglieder darin.
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Best Practices
Erfolgreiche (Weiter-) Entwicklung von Projektteams
Autorengruppe

Projektteams sind nur selten auf Dauer angelegt – und daher gestaltet sich ihre Weiterentwicklung von innen heraus fast immer als herausforderndes Unterfangen: Denn einerseits steht dieses sehr beziehungsorientierte Thema kaum in einem Projektplan und ist damit fast nie Teil des Auftrags; und andererseits sind oft auch die Teammitglieder selbst nicht bereit, an der Weiterentwicklung des Teams zu arbeiten, da sie aus ihrer Sicht meist ohnehin schon viel zu viel Zeit in das Projekt investieren – zusätzlich zu ihren sonstigen, angestammten Tätigkeiten. Wie die Weiterentwicklung von Teams dennoch erfolgreich geschafft werden kann, schildern PraktikerInnen hier.

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UNTERNEHMENSPRAXIS

Werkzeuge
Systemisches Prototyping mit Projektteams
Christine Amon

Ähnlich wie die Strategie vielfach noch immer der Struktur zu folgen hat, folgen häufig auch Projekte ihren ursprünglichen Plänen – bis sie scheitern oder zu scheitern drohen. Berichte und Ergebnisse werden so lange hingebogen, bis sie dem entsprechen, was vorgesehen war. Fehler und Irrtümer sind negativ zu betrachten, da diese im Unternehmen als Schwäche bewertet werden. Darüber hinaus sind viele Projekte finanzielle „Schwergewichte“ und müssen sich also rechnen. Die Alternative zur bisherigen Betrachtungsweise wäre das Management einer Fehlerkultur, die eine Lernkultur und damit die Chance einer evolutionären und passenden Projektorganisation innerhalb der lernenden Organisation darstellt. Dies erfordert vielfach das Ausprobieren, das Experimentieren und das Prototyping. (Bestellung des Einzelartikels...)

Seminar Review
Systemische Coaching-Ansätze, Systemisches Personal Coaching in der Praxis und systemisches Teamcoaching
zusammengestellt von Sonja Radatz
Beim internationalen Praxiskongress des Instituts für Systemisches Coaching und Training konnten über 500 TeilnehmerInnen nicht nur wertvolle Grundlagen für ihre systemische Coaching-Praxis erwerben, sondern auch für die Praxis aus dem Vollen schöpfen: Denn der Kongress verfolgte bewusst eine neue Gangart, indem die traditionellen Vorträge durch Workshops ersetzt wurden und die TeilnehmerInnen insbesondere an ihren eigenen anstehenden Themen arbeiten konnten – oder den internationalen Meistern ihres Fachs beim Arbeiten zusehen und diese reflektieren konnten. Alle die nicht dabei waren finden hier Auszüge aus den Conference Papers in kompakter Form – die mehr als 300 Seiten starken Kongressunterlagen können unter www.isct.net bestellt werden. (Bestellung des Einzelartikels...)

SERVICE

Bücher-Tipps der LO 22 – November/ Dezember 2004
rezensiert von Sonja Radatz

Lost & Found. Der Sinn

Benno Paglia & Roman Hofer
Lost & Found. Der Sinn
52 Seiten Buch und 52 Karten
Eigenverlag
ISBN 3-7212-0516-2
Preis bitte erfragen!


52 Geschichten zusammen mit 52 Karten in einem kleinen Karton, kaum größer als eine CD-Hülle. Und dann? Selbstverständlich greifen wir zunächst zum Buch – fast jeder, der in der Wirtschaft tätig ist, kann nun einmal mit einem Buch grundsätzlich mehr anfangen als mit „Spielkarten“. Nun, egal, wo wir das Buch aufschlagen: Wir lesen merk-würdige Geschichten; Geschichten, die uns auf den ersten Blick vielleicht fremd erscheinen, die wir aber mit einigem Nachdenken hervorragend auf die eigene Situation beziehen können. So etwa die Geschichte von der Kartoffel, deren hoch geschätzte Eigenarten einem maschinellen Pommesherstell-Prozess zum Opfer gefallen sind.
Die Geschichten sind liebevoll mit Bildern illustriert, die nochmals auf einer anderen Ebene den tieferen Sinn der Geschichten verdeutlichen.
Bleiben zum Schluss nur noch die Karten: Ja, was machen wir mit den Karten? Wir könnten mit ihrer Hilfe zum Beispiel spielerisch an die aktive Gestaltung unserer zukünftigen Wirklichkeit herangehen. So könnten wir etwa am Vorabend eines jeden (Arbeits-)Tages die Karten mischen und entdecken, welche Karte oben liegt. Und der Inhalt dieser Karte könnte uns den ganzen nächsten Tag leiten. Ob nun als „Ich finde, was mich bewegt und Sinn macht. Unabhängig vom allgemeinen Käse“ oder „Konsens ist gut, faule Kompromisse lehne ich ab. Ich sage nie Ja, wenn ich Nein meine“ – so vorzugehen macht mit Sicherheit einen Unterschied zum stark verbreiteten traditionellen Denken in Form von „Ich warte einmal ab, was auf mich zukommt“.
Fazit: Ein wertvolles Geschenk an sich selbst – oder auch an andere?

 

 

 

Das Auge des Betrachters
Beiträge zum Konstruktivismus

Peter Krieg und Paul Watzlawick (Hrsg.)
Das Auge des Betrachters
Beiträge zum Konstruktivismus
278 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-238-6
EUR 22,--

Ein Buch, das Heinz von Foerster ehren sollte – und das noch einmal viele jener Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet und ihn gekannt haben, an einem seiner legendären Wiener Salon-Abenden zusammen holt. Vertreter wie Humberto Maturana, Ernst von Glasersfeld, Francisco Varela, Niklas Luhmann und Paul Watzlawick, um nur die bekanntesten zu nennen, beschreiben ihren Standpunkt zu Heinz von Foerster oder ihre „Erfindungen“, wie Heinz von Foerster es nennen würde, im virtuellen Dialog mit diesem.
Das Buch wurde bereits anlässlich von Foersters 80. Geburtstag zusammengestellt, aber erst viel später erstmals auf Deutsch herausgegeben. In verdaubare Brocken unterteilt, ermöglicht es, nacheinander viele verschiedene Perspektiven einzunehmen und sich – immer unter „konstruktivistischen“ Gesichtspunkten – mit ganz unterschiedlichen Themen und Wissensgebieten auseinander zu setzen, für die Heinz von Foerster eine zentrale Rolle spielt, oder anders ausgedrückt: die spezifisch unter Foersterschen Gesichtspunkten betrachtet wurden.
Soziologie, Biologie, Literaturwissenschaften, Journalismus, aber auch Wirtschaft und Unternehmensführung können (auch) aus dieser Perspektive betrachtet werden und schaffen auf diese Art und Weise eine ganz neue Wirklichkeit.


 



 

Wege zur erfolgreichen Teamentwicklung
Mit dem SolutionCircle Turbulenzen im Team als Chance nutzen

Daniel Meier
Wege zur erfolgreichen Teamentwicklung
Mit dem SolutionCircle Turbulenzen im Team als Chance nutzen
168 Seiten
Eigenverlag SolutionSurfers
ISBN 3-8334-0668-2
EUR 33,-- / CHF 49,--

Egal an welchem Punkt in (Projekt-)Teams man einsteigt: Der SolutionCircle eignet sich für jede, vor allem aber für turbulente Situationen im Team und hilft den für das Team Verantwortlichen, konsequent an der Lösungsorientierung zu bleiben. Wie das geht, zeigt Daniel Meier in seinem Buch: Es geht darum, strikt auf Lösungen zu fokussieren, auf bisherige Erfolge aufzubauen, Ressourcen kontinuierlich zu entdecken und zu nutzen und auf diese Weise neue Sichtweisen zu gewinnen.
Das klingt auf den ersten Blick simpel – und das ist es auch: Simple, but not easy. Und so ist es sehr hilfreich, dass der Autor neben seinen Schritt-für-Schritt-Erklärungen des Modells auch noch explizit Anleitung zur Vorbereitung eines Workshops mit dem SolutionCircle gibt, aber auch Anregungen vermittelt, wie auch nach dem Workshop die Flamme des Miteinander erhalten und damit der Prozess in Gang gehalten wird.

Praxisbeispiele etwa wie die Anwendung des SolutionCircles in einer Projektstandsitzung, in Veränderungs- und Entwicklungsprozessen oder beim Start der Abteilungssitzung runden das Buch ab.

 

Reteaming
Methodenhandbuch zur lösungsorientierten Beratung

Wilhelm Geisbauer (Hrsg.)
Reteaming
Methodenhandbuch zur lösungsorientierten Beratung
159 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
EUR 25,70

Strukturiert, knapp und kompakt – so präsentiert sich das „Methodenhandbuch zur lösungsorientierten Beratung“. Auf 159 Seiten finden externe und interne BeraterInnen wie auch Führungskräfte jede Menge Anleitungen, wie sie aus dem Problemteufelskreis (Fokussierung auf Probleme – Analyse ihrer Ursachen – anklagende Erklärungen – Bedürfnis, sich zu verteidigen – schlechte Gemütsverfassung – keine kreativen Lösungen – keine Besserung – Erklärung der fehlende Besserung – neue anklagende Erklärungen – Bedürfnis, sich zu verteidigen…) herauskommen und reteaming in ihren täglichen Abläufen, aber auch in Teamentwicklungs- und Veränderungsprozessen anwenden können.
Ein Praxisbuch also, mit vielen griffigen und einfach beschriebenen Abbildungen und Beispielen. Der theoretische Hintergrund der Teamentwicklung hingegen beschränkt sich – wenn überhaupt vorhanden – auf wenige Seiten.
Fast schade mutet es hier an, dass das Buch von verschiedenen Autoren geschrieben wurde, die natürlich jeder für sich ganz unterschiedliche Sicht- und Denkweisen propagieren; nur eben manchmal so unterschiedlich, dass es dem Leser mitunter schwer fällt, „dran zu bleiben“; etwa wenn bei Teamentwicklung davon gesprochen wird, dass das Augenmerk (auch) auf die Entwicklung der einzelnen Personen im Team gerichtet wird.


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