LO 18 - März/Apri

 

 

Cover

Forschung unter der Lupe
Best of Theoretical Works
Theorie & Praxis
Serie
Tools
Know How
Bücher-Tipps

COVER STORY

Cover (Nr. 18/ 2004)
Mit ChangeTheater Veränderungsprozesse gestalten
Dieter Papke und Markus Berg

Wie können kulturelle Veränderungsprozesse in Organisationen mit ChangeTheater unterstützt werden? Und was ist ChangeTheater überhaupt? Dieter Papke und Markus Berg analysieren in diesem Artikel das ChangeTheater unter dem Mikroskop: Welche Techniken setzt das ChangeTheater ein? Wie fördert es damit die authentische Kommunikation unter den Beteiligten, die in vielen anderen Methoden auch angestrebt wird? Welche Spuren aus anderen Konzepten finden sich in dieser weiterentwickelten Form des Unternehmenstheaters? Welche Verbindungen liefert es zur Selbstorganisation lebender Systeme (Autopoiesis) und zum Konstruktivismus? Und wie kann ChangeTheater in Veränderungs- oder Kulturentwicklungsprozessen – durch Verknüpfung mit Großgruppenverfahren – erfolgreich eingesetzt werden?
Eine Einladung zu einer praxisbezogenen Entdeckungsreise mit vielen plastischen Einblicken und Anregungen, die Lust auf Mehr machen

FORSCHUNG UND ERGEBNISSE

Forschung unter der Lupe
Metaphern in Unternehmensführung und Beratung nutzen
Julius Mack

Metaphern sind ein unverzichtbarer Teil unserer Sprache und damit unseres Lebens – und sie liefern unmittelbar Ansatzpunkte für die Veränderung von Sicht- und Verhaltensweisen. Gerade die in Unternehmen oft verwendeten kämpferischen Metaphern stehen in engem Zusammenhang mit dem, was wir in diesen Unternehmen nur zu oft erleben. Die Verwendung anderer Metaphern schärft dagegen unseren Blick für Handlungsalternativen – und für andere Sichtweisen im Unternehmen

Theorie und Praxis
Der rezeptfreie Raum – Lösungen in komplexen Situationen
Christof Schmitz und Marlies Lenglachner

Angesichts der Komplexität und der Dynamik von Veränderungsprozessen ist der Wunsch nach Rezepten oder handfesten Tools zutiefst verständlich. Der Beratermarkt versucht diesen Wunsch zu bedienen und liefert Rezepte um Rezepte – wenn auch mit begrenztem Erfolg. Nicht umsonst spricht man immer noch von Scheiterquoten bis zu 70% bei Change-Projekten.
In diesem Artikel ziehen Christof Schmitz und Marlies Lenglachner die Möglichkeit in Erwägung, dass gerade die Rezepte jene Therapie darstellen, die zur Krankheit führt: Schließlich gibt es Situationen, denen mit Rezepten nicht beizukommen ist; wie etwa komplexe Prozesse, in denen es um genuin Neues geht. Solche Situationen katapultieren Beteiligten in einem „rezeptfreien Raum“, der in den vergangenen Jahren immer häufiger angetroffen wird

Best of Theoretical Works
Das Top Management in systemischen Strategieprozessen
Reinhard Altenburger

Das Top-Management befindet sich in vielen Unternehmen in einem Spannungsfeld zwischen zunehmender Verantwortung und den verstärkt bewusst gewordenen Grenzen der Steuerbarkeit angesichts von Informationsflut und der Konfrontation mit Mehrdeutigkeiten und Widersprüchen innerhalb der Organisation, aber auch in der Umwelt. Dazu kommt, dass sich die Entscheidungen und die Funktion des Top-Managements zunehmend einer kritischen Betrachtung z.B. seitens des Kapitalmarktes, der Aufsichtsgremien, von Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen und des Mittelmanagements gegenüber sehen. Angesichts dieser Herausforderungen wird deutlich, dass „traditionelle“ Formen der Strategieentwicklung oft nicht ausreichen oder schlicht nicht mehr passen. Die Suche nach passenden Formen bei der Entwicklung strategischer Optionen und der Umsetzung von Strategien anstelle der Anlehnung an aktuelle Modetrends rücken in den Vordergrund

SERIE

Serie (Nr. 18/ 2004)
Auf dem Weg zu einer Verantwortungskultur im Unternehmen
Bernd Schmid und Arnold Messmer

Verantwortung in der Führungskraft-Mitarbeiterbeziehung und – auf organisationaler Ebene – als Verantwortungskultur – spielen in Zeiten gesteigerter Komplexität und Unüberschaubarkeit eine zentrale Rolle. Oft wird jedoch „Verantwortung“ im Unternehmen ganz einfach vorausgesetzt und daher nur zu selten bewusst auf die Sinnhaftigkeit deren Richtung und Ausmaß geprüft bzw. in eine bestimmte Richtung gefördert.
Hier setzt der Artikel von Bernd Schmid und Arnold Messmer an: Er fördert die Auseinandersetzung mit einer als „passend“ erlebten Verantwortungskultur und liefert Ansatzpunkte für deren Erreichung

UNTERNEHMENSPRAXIS

Tools
Role Modelling: Reflexion der eigenen (Führungs-) Rolle in einem komplexen Umfeld
Sonja Radatz

Wir alle spielen in unserem beruflichen Umfeld eine bestimmte Rolle – oder sogar gleichzeitig mehrere Rollen. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dieser Rolle, mit den wahrgenommenen Handlungsalternativen und mit der Weiterentwicklung der eigenen Rolle findet jedoch viel zu selten statt – umso weniger, je weiter wir auf der Karriereleiter nach oben klettern. Sonja Radatz schildert in ihrem Artikel, wie wir selbst unser Role Modelling bewusst in die Hand nehmen können, um reflektierter vorzugehen und den im Alltag fehlenden Austausch auch auf den höheren Führungsebenen auszugleichen

Know How
Die Theatermetapher in der Praxis
Bernd Schmid

Warum scheitern mehr als die Hälfte aller Innovationen? Warum werden Veränderungen beschlossen und verkündet, gehen aber nicht in den Regelvollzug der Organisationen über? Warum verlaufen so viele Projekte der Neuorientierung im Sande oder können nur mühsam und unter viel Aufwand an Energie am Leben erhalten werden?
Unser bisheriges Wissen über notwendige Voraussetzungen, hilfreiche Rahmenbedingungen und unabdingbare Aufwendungen für die Sicherung des Erfolgs von Innovationen scheinen noch nicht ausreichend zu sein. Umso wichtiger erscheint es dabei, Kulturwissen zu sammeln, um Innovationen nachhaltig zur Wirklichkeit werden zu lassen. Die in diesem Artikel beschriebene Anwendung der Theatermetapher in der Praxis kann dazu einen Beitrag leisten. Teile des Artikels gehen zurück auf die Artikel von Schmid und Hipp (1997) und von Schmid und Wengel (2001)

Bücher-Tipps
rezensiert von Sonja Radatz

Gerds, J. und Schewe, G.:
Post Merger Integration
Unternehmenserfolg durch Integration Excellence

204 Seiten
Springer Verlag
ISBN 3-540-20140-8
EUR 44,95

Wir stecken (immer noch) mitten in einem Merger-Hype – und jährlich fusionieren mehr als 3.000 Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Viele Mythen kreisen dabei um den Merger-Prozess: „Je schneller, desto besser!“
lautet einer davon; oder „Wir kommunizieren die Fusion erst, wenn alles fertig ist!“ ein anderer. In diesem Buch setzen sich die Autoren mit den am häufigsten angetroffenen Binsenweisheiten gezielt auseinander – und
entlarven diese anhand des Erfolgs bzw. Misserfolgs vieler Fusionen. Insgesamt 120 Unternehmen wurden für das Buch nach 45 Kriterien untersucht, die den betroffenen Leitenden vorrangig wichtig für die Erfolgswirksamkeit der Fusion waren. Natürlich lässt sich von 120 Unternehmen niemals auf das eigene Unternehmen schließen, in dem eine Fusion bevorsteht; aber allein das Infragestellen bisheriger „Gesetze“ ermöglicht den Leitenden wie den Leidenden in Fusionsunternehmen, über ihr bisheriges bzw. zukünftiges Vorgehen nachzudenken und vielleicht zu neuen Schlüssen zu kommen; oder zumindest ihr Vorgehen bewusster zu gestalten.
Dieses Buch zeigt also grundsätzlich neue Vorzeichen auf, unter denen Fusionen nachhaltig anders begonnen werden können. doesn´t work, do something different“.
 

 

Tietze, K.-0.:
Kollegiale Beratung
Problemlösungen gemeinsam entwickeln


247 Seiten
rororo Verlag
ISBN 3-499-61544-4
EUR 8,90


Aufbauend auf Friedemann Schulz von Thuns Buchreihe „Miteinander Reden 1 – 3“ stellt der Autor hier Methoden vor, die eine Gruppe wählen kann, um ein spezifisches Problem eines Gruppenteilnehmers zu bearbeiten. Das Buch richtet sich daher an Projektleiter, Supervisoren, Teamcoaches und Führungskräfte, die an der Praxisqualifizierung von Systemmitgliedern arbeiten wollen.
„Kollegiale Beratung“ versteht sich dabei als Methodik, die in Gruppen ohne einen professionellen Berater stattfindet, aber dennoch über einen festen Ablauf verfügt und alle Teilnehmer aktiv an der Beratung beteiligt. Darin werden jeweils Lösungen für berufliche Praxisprobleme erarbeitet, die allen Teilnehmern gleichzeitig als Best Practices dienen können.
Das Buch folgt nicht explizit einer bestimmten Haltung; aber es enthält viele Methodiken und Instrumente, die durchaus aus einer systemisch-konstruktivistischen Perspektive heraus angewendet werden können und vor allem unter der Perspektive des Wissensmanagements angewandt werden können, um Wissen zu teilen.
Ein reicher Fundus für Methodeninteressierte, aber auch für Verantwortliche, die kollegiale Beratung als Methode an sich in ihrem Team einführen wollen.

 

Osmetz, D.:
Arbeit am Problem der Arbeit

290 Seiten
Gellius academy Verlag
ISBN 3-936179-12-3
EUR 39,--

Eine systemtheoretische Beobachtung für Management und Organisation
Wir beschäftigen uns jeden Tag (mehr) mit dem Thema Arbeit; nämlich vorrangig damit, ob wir morgen noch Arbeit haben werden, wie schrecklich es ist, keine Arbeit zu haben, und wie um alles in der Welt jene Arbeitsplätze beschafft werden sollen, die ganz offensichtlich in allen europäischen Ländern ständig fehlen.
Dirk Osmetz setzt sich dagegen auf ganz besondere, gleichsam dissoziierte Weise mit diesem Thema auseinander: Er betrachtet es aus systemisch-konstruktivistischer Sicht – sehr gründlich und mit einem spezifischen Blick auf die Rolle der Führungskräfte und Manager im Unternehmen: Denn er kommt (unter anderem) zum Schluss, dass sich die Arbeit dem kausalen Einfluss der Politik entzieht, die Politik also keinen direkten Zugriff auf die Arbeit hat. Der Autor befindet rasch, dass die bekannte Form der Arbeit, beobachtet als eine „spezifisch menschliche, Werte schaffende und schöpferische, bewusst geplante, ziel- und zweckorientierte, Fortschritt tragende Aktivität“ nicht mehr aufrecht erhalten werden kann – und überlässt es nach einer Betrachtung einer neuen Definition von Arbeit aus verschiedenen Perspektiven bewusst dem Leser, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen – und Handlungen zu setzen.
Ein sicherlich einzigartiges Buch, das die Konfrontation mit den herrschenden Paradigmen nicht scheut, sondern geradezu sucht.

 

Frei, H.:
Fabel-haftes Coaching


215 Seiten
Gerling Akademie Verlag
ISBN 3-932425-56-1
EUR 22,50


Der Titel dieses Buches ist ein wenig irreführend und aus meiner Sicht unglücklich gewählt: Denn es geht darin nicht um Coaching, sondern vielmehr um Selbstcoaching; um die Arbeit an der persönlichen Selbstkompetenz und Sozialkompetenz. Das Buch lädt insbesondere Führungskräfte, die im Alltag wenig Zeit und Muße zur Selbstreflexion haben, ein, verschiedene Tiere mit ihren jeweiligen Eigenarten zu erleben – und daraus Schlüsse für die eigene Weiterentwicklung zu ziehen. All diesen Tieren ist gemein, dass sie nach einer erfüllten Zukunft und nach Wohlbefinden streben; dass sie nicht nur überleben, sondern auch leben wollen. So erfährt der Leser in unterhaltsamen Geschichten über den Goldfisch Justus, einen überlasteten Packesel, einen Papagei und seinem Affen, einen Hahn auf dem Mist, über eine Schnecke und über einen Spatz, wie er sich seiner selbst neu bewusst wird.
Nach jeder Fabel wird die Geschichte vor dem Hintergrund des Führungsalltags reflektiert. Dabei geht es um Themen wie die Entwicklung einer Zukunftsvision, die Erstellung von Aktionsplänen, die eigene Standortbestimmung, die schriftliche Erarbeitung von Lebensgrundsätzen, die Nutzung der Kraft der Gefühle, den Zugang zu den eigenen Emotionen und viele andere Themen, über die man sonst nicht spricht – die aber im Führungsalltag (leider viel zu häufig unreflektiert) zum Vorschein kommen.

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