Radatz inspiriert

   
 

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Planen Sie immer noch mit dem 12-Monats-Jahr?

19. Juli 2010

 

 

Zeit ist relativ und von Menschenhand geschaffen. Oder anders gesagt: Eine Woche ist zwar eine Woche und bleibt eine Woche; und ein Jahr ist ein Jahr und bleibt auch ein Jahr: aber dennoch können wir die Zeit flexibel zu unseren Gunsten interpretieren. Das hat nichts mit Management und Führung zu tun, meinen Sie? Nun – mal abwarten.

Das Problem, das ich immer wieder orte, spielt sich dort ab, wo Vertrieb, Unternehmensleitung und Führung erfolgreich sein müssen, aber Rahmenbedingungen naturgemäß nicht vorhersagen können. Genau hier entsteht aber ein strategisch hoch wirksames Problem: Denn für gewöhnlich wird weder im strategischen noch im operativen Management und schon gar nicht am Point of Sale unter Einbeziehung dieser potenziell sich verändernden Rahmenbedingungen gedacht und gehandelt.
Gerade letzte Woche hatte ich wieder einen solchen Fall: In den Filialen eines internationalen Handelsunternehmens im Norden Deutschlands würde man sicher die Umsatzvorgaben im Geschäftsjahr 2010 erreicht haben, wenn – ja, wenn da nicht der Jahrhundert-Winter doch tatsächlich im Norden Deutschlands Schneestürme ohne Ende beschert hätte. Schneestürme über 2 Monate hinweg, inklusive einer geschlossenen Schneedecke auf den Gehsteigen, derer die Stadtverwaltung gar nicht mehr Herr wurde. Man bedenke: Schnee im Norden! Das war doch nun wirklich nicht voraussehbar. Konnte gar nicht in die Planung mit einbezogen werden, weil doch keiner damit rechnete. Wurde aber leider umsatzwirksam, weil in den bewussten 2 Monaten der Umsatz komplett einbrach. Tant pis, sagen da die Franzosen – das muss man eben wegstecken. Kann man nichts machen.
Dummer Weise folgte dem schweren Winter aber nun ein sehr seltsamer Sommer mit Temperaturen über 32 Grad Celsius – und das nicht während weniger Tage, sondern während nun schon 3 Wochen!

 

An Shopping ist bei der Hitze nun wahrlich nicht zu denken. Die Kunden bleiben am See, der Umsatz bricht ein. Man ist ja schon daran gewöhnt – und argumentiert im Jahres-Strategiemeeting entsprechend.

In solch einer Situation bringe ich gerne mein Beispiel vom Hamburger Eisverkäufer: Wissen Sie, wie lange das Jahr für den Hamburger Eisverkäufer dauert? Sehr einfach: Etwa 6 Wochen. Es kann natürlich auch länger sein, aber er sollte zumindest nicht mit einem längeren Sommer rechnen. Oder anders formuliert: Wenn er plant, seinen Jahresumsatz binnen 6 Wochen zu erzielen, dann ist jede weitere Sommerwoche, die da kommen mag, ein freundliches Angebot des Universums, seinen geplanten Umsatz zu überschreiten.

Um auf unsere aktuell geschilderte Situation des Handelsunternehmens zurück zu kommen: Es erscheint mir angesichts der unendlich vielen Möglichkeiten der Ausprägungen von Rahmenbedingungen fast schon als verwegen, in der Umsatzplanung von 12 Monaten auszugehen. Vielleicht ist eine solche Planung noch im ersten Jahr des Bestehens zulässig; aber spätestens nach einem Jahr wie dem aktuellen muss unserem Handelsunternehmen klar sein: Das kommende Geschäftsjahr hat nicht 12, sondern nur noch 9 Monate. Was bedeutet: Die Umsatzvorgaben müssen in nur 9 Monaten erzielt werden; während der restlichen 3 Monate kann davon ausgegangen werden, dass irgendetwas Unvorhergesehenes passiert: Der Regenmonat im Frühling, die Baustelle links und rechts neben den Filialen, der Schnee im Sommer, die Promotion-Aktion des Konzerns just im Oktober, in dem man sich dem Premium-Verkauf widmen wollte.

Auf den ersten Blick mag diese Überlegung banal klingen, bei unseren Kunden sichert sie auf operativer Ebene den Unternehmenserfolg. Selbst wenn es Katzen und Hunde regnet.

 

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