Philosophie

In unserer traditionellen Lebenseinstellung verbringen wir unser Leben meist (sinnbildlich gesprochen) vor einer Mauer – in der Mauer eine Tür, und in der Tür ein Guckloch. Durch dieses Guckloch sehen wir auf unser Leben: Wir sehen „Zufälle, die sich ergeben haben“, „verpasste Chancen“, „Fähigkeiten, die wir eben haben oder nicht haben“, „Märkte, die immer enger werden“, „schwankende Kundenpotentiale“, „unfähige Teams“, „chancenreiche Produkte oder Strategien“ oder „objektiv sichtbare Mitarbeiterpotentiale“. All diesen Beobachtungen ist gemeinsam, dass sie außerhalb von uns stattfinden – dass wir nichts zu unserem Leben dazu tun können, um es zu verändern. Denn wir leben ja die Guckloch-Haltung und stehen vor der Mauer.
Heinz von Foerster, ein österreichischer Philosoph und Physiker, der bis zu seinem Lebensende in den USA lebte, prägte den Begriff der „Teil der Welt – Haltung“: Leben wir diese Haltung, so öffnen wir die Tür und betreten unser Leben. Und da wir nun plötzlich von den anderen Protagonisten – dem Markt, den Kunden, den Mitarbeitern, dem Unternehmen – wahrgenommen werden, können wir uns nicht mehr aus dieser Welt exkludieren, derer wir Teil sind. Stehen wir etwa tatenlos da und sehen zu, wie Kunden sich für ein anderes Unternehmen entscheiden, können wir nicht mehr sagen, „Da kann man eben nichts machen“, sondern gehen das Risiko ein, dass jemand sagt, „Aber Sie waren doch dabei – Sie hätten doch etwas (anderes) tun können!“ Sobald wir die Teil der Welt-Lebenshaltung einnehmen, wird unsere Welt relational, also beziehungsbezogen: Das heißt, sie wird von unserer Beziehung zu den anderen Protagonisten unserer Welt bestimmt. Das was wir erleben, hat dann maßgeblich etwas mit unserem Verhalten zu tun: Ändern wir unser Verhalten, werden wir auch ein anderes Gegenverhalten erleben. Das gilt für die Beziehung zu allen Teilen unserer Welt: den Märkten, die wir bedienen; den Mitarbeitern, die wir führen; den Vorgesetzten; die Produkte, die wir verkaufen; unsere Lieferanten; unsere Freunde; etc. Wichtig ist dabei, dass wir bei unserem eigenen Verhalten ansetzen: Bei unseren Beschreibungen, unseren Erklärungen, unseren Bewertungen und unseren Handlungen. Führung, Management, Unternehmensführung, Personalentwicklung, Beratung, aber auch die Gestaltung unseres Expertenjobs werden durch diese Lebenshaltung massiv beeinflusst und verändern sich grundsätzlich – in Form der Handlungen, die wir setzen.

Bei der Gestaltung unserer Welt setzen wir stets bei uns an:
Wir fragen nicht, „Wie können wir die Mitarbeiter verändern?“ (denn wir sind ja nicht Teil der Welt unserer Mitarbeiter), sondern „Welche anderen Rahmen und Strukturen können wir setzen, damit die Mitarbeiter sich anders verhalten können?“;
wir fragen nicht, „Wie können wir das Unternehmen verändern?“ (denn wir sind ja nicht Teil der leitenden Management-Welt, außer, wir leiten das Unternehmen), sondern „Wie können wir in diesem Unternehmen in unserem Bereich erfolgreich agieren?“;
wir fragen nicht, „Wann ändern sich endlich die Märkte?“, sondern „wie können wir die Märkte anders bearbeiten?“.

Wir suchen in jeder Situation kontinuierlich unsere Handlungschancen, anstatt die „objektive“ (also außerhalb unseres Verhaltens liegende) Ursache für ein Nichtfunktionieren zu analysieren.
Diese Teil-der-Welt-Haltung nennen wir auch „evolutionäre Haltung“. Sie eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten in der grundlegenden Gestaltung von Leben, Beruf, Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen. Plötzlich können wir die Welt, die wir wahrnehmen, in Frage stellen und etwas anderes tun.
In der evolutionären Haltung kommen drei Theorierichtungen zusammen: Die radikal konstruktivistische Theorie, die systemische Theorie (Kybernetik zweiter Ordnung) und die Autopoiesis.

Relationalität
Entstehende Handlungsvielfalt
Absolute Subjektivität
Freie Wahl des Standpunkts