Der radikale Konstruktivismus

Der radikale Konstruktivismus (Ernst von Glasersfeld, 1996) erklärt, wie Wissen entstehen kann, ohne auf eine beobachterunabhängige Welt zurückgreifen zu müssen. Was heißt das in der Praxis? Es bedeutet, dass, wenn immer wir beobachten, wahrnehmen, handeln und Erfahrungen sowie Wissen aufbauen, als Subjekt beteiligt sind. Oder anders formuliert: Es gibt keine Erfahrung außerhalb von uns selbst. Oder nochmals anders formuliert: Es gibt nichts Objektives, auf das wir zurückgreifen können, von dem wir behaupten können, dass es auch außerhalb von unserem Denkrahmen Gültigkeit hat. Alles Leben ist subjektive Wahrnehmung.
Dies bedeutet, dass wir zwangsweise unsere Welt subjektiv erfinden – sie uns so schaffen, wie sie uns als passend erscheint. Und dass wir uns die Welt auch anders erfinden können – sie anders beschreiben, uns die Zusammenhänge darin anders erklären und neue Bewertungen für unsere Wahrnehmungen finden können.